Am Donnerstag, den 13. März gab es im DGH in Lanzingen Informationen zum Thema Nisthilfen für Wildbienen. Peter Siebert erklärte dies den Teilnehmern sehr anschaulich, letztendlich sogar als Biene verkleidet mit viel Herzblut und der Bitte, im Garten bewusst eine wilde Ecke oder auch „Dreckecke“ einzurichten.
Wer oder was als Wildbiene bezeichnet wird und wie diese leben wurde anhand der gehörnten Mauerbiene erklärt. Neben den Wespen, den Hummeln und den Hornissen gehören solitär (einzeln) lebende Bienen – wie die Mauerbiene oder die Holzbiene – zu den sogenannten Wildbienen. Die Mauerbiene fliegt bereits ab 10 Grad, die Hummeln sogar ab 2 Grad und gehört zu den über 550 Bienenarten in Deutschland. Die bekannte Honigbiene dagegen benötigt beständige Temperaturen von 16 bis 18 Grad. Solitär lebende Wildbienen bauen und versorgen Ihre Nester ohne Mithilfe. Die Mauerbiene lebt cirka 40 Tage und kann ihr Nest in den verschiedensten Hohlräumen anlegen.
In unserem Beispiel hatte die Wildbiene ein Schilfröhrchen als Kinderstube ausgesucht. Peter Siebert erklärte anhand seiner Zeichnung, wie lange die Nisthöhle sein muss und auch warum.


Die Mauerbiene legt immer 8 Kinderzimmer an. Dazu geht sie rückwärts in das Schilfröhrchen und legt ganz hinten ihr erstes Ei ab. Nun fliegt sie los, bringt eiweisreichen Pollen als Vorrat mit, fliegt erneut los, sucht Pflanzenmaterial oder Lehm um das Kinderzimmer zuzumauern. Am nächsten Tag wiederholt sie das Ganze Procedere. Die ersten 6 Eier sind immer weibliche Nachkommen, die vordersten 2 immer Männchen. Zum Schluss lässt sie einen Flur zum Ausgang hin stehen, praktisch ein 9. Kinderzimmer ohne Ei, um Fressfeinde wie den Specht zu täuschen. Dann verschließt sie auch dieses Loch und beginnt ihre Arbeit von neuem. Aus diesem Grund ist es extrem wichtig, dass alle Nisthilfen mindestens 13cm tiefe Löcher aufweisen. In Ihrem Leben kann sie so 5 Gänge anlegen, bevor sie abfliegt (stirbt). In der Regel überleben 3 Tiere pro Nisthöhle aufgrund von Parasiten- oder Pilzbefall, Fressfeind oder zu frühes „aufräumen“ im Garten. Peter Siebert meinte hierzu, vielleicht findet man hier einen Kompromiss, indem man trockenen Stängel abschneiden, diese dann allerdings bündelt und in eine trockene Ecke stellt, bis die Brut geschlüpft ist. Also, wenn von unten die neue Pflanzen nachtreiben. Eine Überlegung ist es auf jeden Fall wert.
Ohne Wildbienen gäbe es überhaupt gar keinen Kaffee. Hier sind Wildbienen unabdingbar. Es bestäuben auch noch andere Tiere unsere Pflanzen. In einem Diagramm wurde aufgezeigt, dass die Kirsche beispielsweise von Wildbienen, Fliegen, Ameisen, Käfer, Schmetterlingen und der Honigbiene bestäubt werden kann.

viel zu große Schilfrohre, alle zu kurz, imprägniert, mit Weichholz
Zu dem Tisch mit den „schönen“ Nisthilfen aus dem Baumarkt summt uns Biene Peter ins Ohr: „Kauft nicht den Blödsinn aus dem Baumarkt“ Diese Bienenhäuser sind viel zu kurz und/oder werden mit Weichholz gebaut (Kiefer, Fichte, Douglasie), dass dann vergammelt.
Noch schlimmer sind die aus Fernost, damit das bei uns ankommt, sind diese nicht nur kesseldruckimprägniert sondern werden auch noch alle in den Containern bedampft, sonst würden auf der langen Reise unter dem Plastik der Schimmel allen den Garaus machen. Aber wenigstens brennen die gut, in grün und blau.
Wie Insektenhilfen grundsätzlich gebaut werden sollten, hat Peter Siebert auf einer kleinen Tafel verewigt.

und natürlich einige gute Beispiele für sinnvolle Insektennisthilfen

Grundsätzlich gilt: Baut lieber klein und fein, aber macht es ordentlich.
Die Strangfalzziegeln kommen aus Ungarn und müssen zugeschnitten werden, eine alte Dose mit Schilf befüllen, kann jeder. Man sollte hinter dem Schilfknoten abschneiden, dass ist eine natürliche Wand. Achtet auf die richtige Länge des Schilfes. Der Holzknorz hat unterschiedlich große Löcher, aber alle sind mindestens 12-13 cm tief, das erfordert etwas Geschick. Alle Löcher sind entgratet, damit sich die Tiere nicht die Flügel verletzen. Und last but not least das Insektenhotel, welches in vielen Stunden gebaut wurde. Mit 250€ muss man da schon rechnen. Wer Fragen dazu hat, kann sich gerne auf unserer Homepage (http://ogv-lanzingen.com) umsehen, hier stehen alle wichtigen Nummern und Informationen bereit.
Auch das Thema „Igelhaus aus dem Baumarkt“ wurde angesprochen. In einem Laubhaufen herrscht im Inneren eine gleichbleibende Wärme während des gesamten Winters. In einem Igelhaus nicht. Sobald es einmal warm wird, erwacht das Tier und macht sich auf die Suche nach Fressen. Leider was das nur 1 Tag, an dem die Sonne sein Häuschen erwärmt hat, aber Insekten zum Fessen gibt es noch nicht. 3 Tage später verendet das Tier. Und hier appelliert Peter Siebert noch einmal an alle, lasst im Garten einen Lesesteinhaufen, einen Laubhaufen, die Tiere werden es euch danken.
Es war ein interessanter Abend und hat für einer regen Diskussion geführt. Solche Vorträge sollten viel öfter sein, um eine Aufklärung zu erreichen. Der Vorsitzende des OGV Lanzingen, Dieter Kilgenstein, bedankt sich bei seinem Mitglied Peter Siebert für den gelungenen Vortrag.
Weitere interessante Details zum Thema Insektennisthilfen findet ihr in unserer Rubrik „Wissenswertes“
geschrieben Iris Schick-Schäfer

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