Die Asiatische Hornisse – Bedrohung oder Hype

Über die bezüglich der eingewanderten asiatischen Hornisse verbreiteten Informationen soll ein kritischer Blick erlaubt sein.

Im Folgenden soll neben der Faktenlage auch eine vorsichtige Einschätzung und Beurteilung erfolgen, die es dem interessierten Naturfreund hoffentlich etwas erleichtert zu diesem teilweise sehr hochgekochten Thema seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Dies vor allem zum Schutz der streng geschützten europäischen Hornisse !

(Im Folgenden E.H. genannt) Quellen NABU, BUND, n.N., L.Fassnacht)

Ein weiterer Vertreter der Hornissen, die Unterart der Asiatischen Hornisse, im Folgenden A.H., wurde um 2004 erstmals in der Nähe von Bordeaux entdeckt. Wahrscheinlich mit Handelswaren unbemerkt eingeschleppt. Bis 2010 hat sich die Art über den gesamten Südosten Frankreichs ausgebreitet, inzwischen ist sie in ganz Frankreich zu finden und hat bereits die Grenzen überschritten. In 2014 erfolgte der erste Nachweis in Deutschland. Auch in Hessen ist die A.H. seit 2019 nachgewiesen.

Der Bestand wird sich voraussichtlich, wie in Frankreich, nach anfänglichen Spitzen auf einem tieferen Niveau einpendeln.

Ein Blick zu unseren französischen Nachbarn sollte Panikmache und reißerischer Berichterstattung die Grundlage nehmen. Über kaum eine andere Art ist derart viel Blödsinn geschrieben worden, der schließ endlich nur unserer Heimischen Hornisse zum Verhängnis wird, die besonders geschützt ist. Von „Bienenkiller“ bis „Riesen Hornisse“ und „unbändiger Angriffslust“ ist immer noch so ziemlich alles dabei, was man als Schlagzeilen ohne Grundlage von sich gegeben hat.


Ein wenig erhellend ist da ein Zitat eines französischen Imkers: „Gegenüber der Wirkung vieler Insektizide ist der Einfluss der Asiatischen Hornisse auf Honigbienen ein Witz.“


Fakten Asiatische Hornisse:
Die Königinnen erreichen eine Größe von 3 cm, bei Arbeiterinnen 2,4 cm, und sind damit etwas kleiner als unsere heimische Hornisse . Die Bestimmung der asiatischen Hornisse ist hingegen relativ einfach. Siehe die Gegenüberstellung im Bild. Die Art ist sehr anpassungsfähig und robust und kommt in ihrer ursprünglichen Heimat bis in 2000 m Höhe noch zurecht. Aktiv werden sie von Ende März bis Mitte November.
Im Gegensatz zur Europäischen Hornisse (E.H.)ist die Asiatische jedoch nicht nachtaktiv. Als Lebensraum bevorzugt werden von der Art Ortsrandlagen mit Baumbestand, Parks, Gehölzränder oder ländliche Siedlungsbereiche. Geschlossene Wälder werden gemieden.

Das beim Nestbau verwendete Nistmaterial ist das gleiche wie bei der Europäischen Hornisse, jedoch filigraner verarbeitet und mit kleineren Lufttaschen, dass Nest ist fast immer freihängend im Astwerk – nur selten „angebaut an Nistkästen, Scheunenwände, Dachgiebel/Sparren.
Die oft elliptischen Nester  erreichen eine Höhe von 60 – 100 cm bei einem Durchmesser von 50 bis maximal 80 cm. Charakteristisch ist die Lage des Nesteinganges, der sich an der Nestseite befindet. Zählungen an einigen wenigen großen Nestern ergaben bis zu 10.000 Brutzellen und ist dann maximal besetzt mit 1000 – 2000 Tieren. Damit ist es deutlich größer als das Nest unserer Europäischen Hornisse und sehr wetterfest.

Die Art(A.H.) baut zwei Nester, ein Anfangsnest  meist in Bodennähe bis 3m über dem Boden, von denen später ins Hauptnest umgesiedelt wird. 90% der Haupt-Nester befinden sich in Baumkronen,  gebaut wird so gut wie immer in großen Höhen ,ab ca. 12 bis 15 m aufwärts, dies ist auch der Grund, warum die Nester meist erst nach dem Blattfall im Herbst sichtbar werden. Nur ca. 10% befinden sich an Gebäuden. 2021 wurde das erste Nest in Innenräumen im Dachbereich einer Scheune gesichtet, auch da passt sich die Art an.

Als Nahrung erbeutet die A.H. zur Aufzucht ihrer Larven vor allem andere Insekten. Die Art ist grundsätzlich als Allesfresser einzuordnen, Honigbienen scheinen dabei laut Imkern teilweise 80 – 85 % der Beute ausmachen. In Stadtrandbereichen scheint die Bedeutung von Honigbienen für die Ernährung höher zu sein als in ländlichen Gebieten. Weitere Beutetiere sind vor allem andere soziale Hautflügler-Arten, wie Fliegen und Mücken, Käfer, bis hin zu Wirbeltieren in Form von Aas. Wie auch unsere heimische Hornisse, verköstigt sich die Asiatische Hornisse gerne an reifen Früchten oder Obst.

Die A.H. zeigt ein ungewöhnliches und artspezifisches Jagdverhalten , sie ist sicherlich der beste Flieger unter den Hornissen und sogar in der Lage, rückwärts zu fliegen. Die Jagd findet über die gesamte Aktivitätsphase am Tag statt.
Beobachtet wurde die regelmäßige Jagd auf Honigbienen an Bienenstöcken. Dabei attackieren die im Schwebflug abwartenden Hornissen die zum Stock zurückkehrenden Honigbienen im Flug. Meist handelt es sich um einzelne Hornissen. Normal starke Honigbienenvölker können die auftretenden Verluste verschmerzen.

Im Nahbereich vom Nest, unter 5 m, wurde von einer sehr großen Aggressivität der Art berichtet. Diese Berichte sind jedoch mit Vorbehalt zu bewerten. In den meisten Fällen ist es aufgrund der Lage des Nestes kaum möglich (große Höhe), sich diesem so stark zu nähern.
Einer der besten Kenner der Art in Frankreich, Jean Haxaire, hat Völker  (der A.H.) zu sich in den Garten umgesiedelt, in dem auch regelmäßig Kinder spielten. Zu Stichen ist es dabei nicht gekommen und eine verstärkte Aggressivität konnte Haxaire ebenfalls nicht feststellen.

Grundsätzlich sollten Menschen mit allergischen Reaktionen bei Insektenstichen natürlich aufmerksam sein und entsprechend Vorsicht walten lassen.

Im Vergleich zur Europäischen Hornisse sind vor allem die größere Individuenzahl je Nest (2000 bei A.H . gegenüber ca 600 bei E.H.) auffällig und die höhere Besiedlungsdichte (Nestanzahl bis 10 Nester) je Quadratkilometer .

Im Herbst ,mit abnehmender Vitalität der A.H. in Folge niedrigerer Außentemperaturen und feuchterer Witterung werden die Nester in den Baumkronen dann häufig von unseren heimischen Singvögeln wie Meisen, Staren, etc. geplündert.

Somit wird auch der Bestand von bis zu 500Jungköniginnen stark dezimiert.

So dass bis zum kommenden Frühjahr max. 1% überleben. 

Ob sich aus der weiteren Verbreitung der A.H. negative Folgen für Honigbienen und Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Käfer, etc. ergeben, sollte kritisch beobachtet werden.

Bei all dem muss aber auch immer wieder der menschliche Einfluss auf die Natur als Ganzes kritisch hinterfragt und gewichtet werden.

Der weiterhin freigegebene Einsatz von Neonicotinoide, Insektizieden, Glyphosat, Versiegelung, Verlust von Rückzugsgebieten, Verlust von einheimischen wilden Blühpflanzen als Nektar und Pollenspendern, Mähroboter und Laubbläserwahn, und vielen weiteren menschlichen Einflüssen regt zum Nachdenken an.

Text: Peter Siebert

Quellen NABU, BUND, n.N., L.Fassnacht)

Grafik: Niedersächsisches Ministerium für Verbraucherschutz